Manow Lutheran Junior Seminary

Ein neues Schulprojekt in alten Missionsgebäuden...

Projektbeschreibung

Die Schule wurde 1993 mit 45 Schülern - davon 21 Mädchen und 24 Buben als Internatsbetrieb gegründet; und zwar in den alten Missionsgebäuden von Manow, die zum Teil schon seit 100 Jahren dort stehen.

Zur Zeit unseres Besuches im August 1995 hatte die Schule bereits 143 Schüler, davon waren 65 Mädchen und 78 Buben. Inzwischen sind es 298, und der erste Abiturjahrgang macht die Abschlussprüfungen (Mai/ Juni 1999).

Obgleich das Schulgeld für tanzanische Verhältnisse immens hoch ist (inzwischen 300 DM pro Jahr), melden sich jährlich ca. 300 Schülerinnen und Schüler, die diese Schule gerne besuchen möchten. Sie alle müssen sich einer sehr strengen Aufnahmeprüfung unterziehen. Bestehen diese mehr als 50 Kinder (das ist die Anzahl derer, die momentan aufgenommen werden kann), kommen die anderen auf eine Warteliste, von der sie nachrücken, 1 wenn ein Schlaf- und Wohngebäude fertiggestellt ist.

So kommt es, daß in manchen Klassen ganz unterschiedliche Altersstufen zusammensitzen. Das Ziel dieser Schule ist es, durch eine exzellente Ausbildung junge Menschen heranzubilden, die zu führenden Persönlichkeiten in Kirche, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft werden sollen. Da diese Schule mit ihren Zielen zu einem geistigen und kulturellen Zentrum in der Konde Diözese werden will und sicher auch wird, außerdem jungen Mädchen und Frauen die gleichen Bildungschancen eingeräumt werden wie den Jungen, finde ich es sehr wichtig, ein bißchen ausführlicher auf die Schule als Institution einzugehen. Sie ist - wie schon gesagt - eine Eliteschule.

Die Schüler haben nicht nur sehr viel theoretischen, sondern auch praktischen Unterricht. Ihr soziales Verhalten und ihre Anpassungsfähigkeiten (auch an schwierige Lebensumstände, Stichwort "El Niño") werden laufend getestet und trainiert, in dem sie in einen sehr straffen Tagesrhythmus eingespannt sind. Sie sind z.B. verpflichtet, sich um Instandhaltung, Reinigung und Pflege der Unterkünfte, ihrer Wäsche, der Küche usw. selber zu kümmern. Das geht nach einem bestimmten Bewertungssystem vor sich.

Außerdem hat die Schule schon eine Teeplantage, eine Baumschule, in der schnellwachsende Bäume, z.B. zum Möbelbauen, gezüchtet werden, Fischteiche, um statt Fleisch - ausreichend eiweißhaltige Nahrung zu erhalten und einen Obstgarten, sowie Maisfelder wurden angelegt. Tierhaltung (außer Hühnern, die gibt es schon) wird angestrebt.

Die Schülerinnen und Schüler helfen auch mit beim Hausbau, so es ihre Zeit ertaubt. Sie machen mit beim Dachziegelformen. Sand und Sisalfasern dazu gibt es fast gratis aus der Umgebung, und Zement kann günstig eingekauft werden. Diese Dachziegel sind erheblich billiger als die Dachbleche (Kosten etwa 113 weniger) und können leichter ausgetauscht werden.

Im August 1995 standen der Physik- und Chemiesaal, eine Vorratshalle sowie ein Shop kurz vor ihrer Vollendung. Inzwischen wissen wir, daß zwei Bubenschlafhäuser und der Physik-/Chemiesaal fertig und komplett eingerichtet sind, ebenso die Vorratshalle und der Shop. Da die Schule ja von den Erzeugnissen ihrer Landwirtschaft leben will und den "Überschuss" verkaufen möchte, sind letztgenannte Gebäude und ihre Fertigstellung sehr wichtig gewesen. Ein großes "Versammlungshaus" (mit Mensa und Aula für festliche Anlässe) ist im Bau sowie ein Sportzentrum mit Stadion in Planung, aber noch "Zukunftsmusik".

Dies alles will immer noch ausgebaut (es fehlen Lehrerhäuser) und das schon Fertiggestellte unterhalten, eingerichtet und ergänzt werden. Dazu wird aber nicht nur viel Geld benötigt. Auch Werkzeug, Baustoffe (die nicht immer einfach zu beschaffen sind), eiserner Wille, Disziplin, gute Nerven, Kreativität und Improvisationstalent sind gefragt. Von den beiden letzteren Eigenschaften ist sowohl bei den Lehrern, allen voran dem Direktor, als auch bei den Schülerinnen und Schülern sehr viel vorhanden und zu spüren. Natürlich fehlt überall auch noch Untenichtsmaterial, vor allem Bücher!

Es ist also noch einmal wichtig, zu betonen, dass diese Schule nicht nur für uns als Partnergemeinde von Manow bedeutend ist, sondern auch für alle, die an partnerschaftlicher Arbeit interessiert sind, weil sie

  1. die geistige Bildung und damit das Fundament für die Zukunft in Konde bauen und unterstützen hilft
  2. damit erstmals in dieser Region Mädchen und jungen Frauen die gleichen Möglichkeiten einer exzellenten, hochqualifizierten Ausbildung bietet wie den Jungen.

Alle Schülerinnen und Schüler, die bisher diese Schule besuchen, wissen genau über ihre großen Chancen Bescheid und sind stolz, hier arbeiten und lernen zu dürfen! Es hat noch niemand vorzeitig "das Handtuch geworfen", obgleich der tägliche Arbeits- und Stundenplan - wie schon angedeutet - sehr streng geregelt ist, d.h. zum Beispiel: morgens um ca. 5.00 Uhr aufstehen, an einer kurzen Andacht teilnehmen, Frühsport betreiben, dann erst frühstücken und in den Unterrichtsplan einsteigen. Dieser geht unterbrochen von Essenspausen - bis zum Abend weiter. Daran schließen Hausaufgaben und diverse freiwillige Gruppenarbeiten an. Der Tag endet ca. 21.00 Uhr!

Als uns das vom Direktor der Schule, Herrn Mwasamwaja, während eines Rundgangs so erläutert wurde, habe ich bei mir im Stillen gedacht: Ein Bruchteil der Begeisterung und des Engagements dieser Schülerinnen und Schüler für den Unterricht und für die Schule täte unseren Mädchen und Jungen auf den Gymnasien auch ganz gut".

Welch immense Bedeutung diese Schule für die Zukunft hat, habe ich hoffentlich ein bisschen klarmachen können. Jetzt gilt es zu überlegen, was und wie wir in partnerschaftlicher Zusammenarbeit dieses Aufbauwerk unterstützen und fördern können.

Renate Rückert,
Reformations-Gedächtnis-Kirche

Die ersten Schülerinnen und Schüler haben 1999 ihr Abitur bestanden und ein Studium begonnen.

Hintergrundinformationen zu Tansania und diesem Schulprojekt finden Sie in einer ausführlichen Informationsbroschüre von Renate Rückert (von 1999), die wir mit freundlicher Genehmigung der Autorin hier ins Internet übernehmen durften:

LERNEN für die ZUKUNFT
Helfen Sie mit, am Fundament für eine qualifizierte Ausbildung zu bauen!
(pdf-Datei 550kB)

 

Wie mag es aktuell in Manow aussehen?

Die Schule hat endlich Strom und Computer sind angekommen

Auf der Website der Evang Luth Kirche von Pennsylvania (USA) berichtet die Familie Seitz-Brown, er Pfarrer, sie Biologielehrerin und 3 Kinder, öfter mal über Neuigkeiten aus Manow. So kann man im letzten Brief vom März 2000 sehr erfreuliches lesen: Es gibt nun endlich elektrischen Strom in allen Schulräumen, ja es konnte sogar schon ein Computerraum in Betrieb genommen werden, da 9 Computer in einem Übersee-Container den Weg dorthin gefunden haben. So hält nach und nach der Fortschritt dort Einzug und ermöglicht einen sehr modernen und zeitgemäßen Unterricht. Eine Telefonleitung existiert aber leider noch nicht und so funktioniert auch noch keine e-mail.

AIDS

Natürlich ist es auch für die Seitz-Brown's bedrückend zur Kenntnis zu nehmen, in welch hohem Ausmaß die Immunschwächekrankheit AIDS in dieser Gegend bereits um sich gegriffen hat. Auch hier bleibt zu hoffen, dass eine bessere Aufklärung über diese Gefahr helfen wird, das Problem allmählich wieder in den Griff zu bekommen.

Große Armut in der Bevölkerung

Unsere finanzielle und materielle Hilfe bewirkt dort mehr als irgendwo anders und wird mit überaus großer Dankbarkeit angenommen.

Unser Spendenkonto, "Gabenkasse Epiphanias", Kontonummer 010216745, BLZ: 702 501 50, bei Kreissparkasse München-Allach, Verwendungszweck: "Manow Schulprojekt Tansania" und natürlich auch solche Aktionen wie mit den Containern für Tanzania mögen daher Ihre besondere Beachtung finden.

Auslandspraktikum in Manow

Der Bayrische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) vermittelt Auslandspraktika, unter anderem auch 2 Praktikumsplätze für je 2-3 Monate am  Manow Lutheran Junior Seminary. In der Projektbroschüre ist u.a. Erfreuliches zu lesen: "Das Manow Lutheran Junior Seminary ist eine kirchliche Sekundarschule im Internatsbetrieb. Die Schule hat in den letzten Jahren ziemlich expandiert, neue Schlafsäle gebaut und umfasst jetzt etwa 600 Schüler und 25 Lehrer – Tendenz steigend. Das Kollegium ist relativ jung und seit Kurzem unterrichten dort auch tansanische Frauen. Der Unterrichtsalltag beginnt um 7.30 Uhr und endet gegen 16 Uhr. Zwischendurch ist eine Stunde Mittagspause. In Manow werden auch verschiedene Sportarten gepflegt, z.B. Fuß-, Basket- und Volleyball."
"Inhaltliche Arbeit im Projekt: Die Unterrichtsstunden, die man halten möchte, macht man am besten mit den betreffenden Lehrern aus. Daher ist viel Eigeninitiative erforderlich! Auch kann man versuchen eine eigene Arbeitsgruppe ins Leben zu rufen."